Nothing is Greenfield. Schon gar nicht bei COBOL.

Nothing is Greenfield. Schon gar nicht bei COBOL.

COBOL wird 66 – und läuft weiter. Seit 1959 steuert es Banken, Pensionen und Steuerwesen, mit rund 800 Mrd. Codezeilen weltweit. Während wir Frameworks wechseln, bleibt es stabil – doch Experten gehen in Pension, Nachwuchs fehlt. IT-Modernisierung heißt daher: COBOL nicht verdrängen, sondern verstehen, kapseln und schrittweise erneuern. Nothing is Greenfield.

11. Februar 20262 min LesezeitGerald Pitschek

Mit 66 Jahren, da fängt das Leben an - sang Udo Jürgens.

COBOL hat das wörtlich genommen.

1959. Österreich feierte gerade den Beginn des Wirtschaftswunders, der ORF sendete sein erstes Fernsehprogramm und Grace Hopper half, eine Programmiersprache zu erschaffen, die heute noch unsere Pension berechnet.

Keine Kündigung. Kein Sabbatical. Nicht mal eine Krankschreibung. Seit 66 Jahren im Dauerbetrieb.

Während wir alle paar Jahre eine neue Sprache feiern wie einen Messias und sie drei Jahre später schon wieder beerdigen, läuft COBOL einfach weiter.

Still. Zuverlässig. Unbeeindruckt.

  • Kernbankensysteme auf dem Mainframe - COBOL.
  • Pensionsberechnung, Sozialversicherung - COBOL.
  • Steuerverwaltung, Meldewesen - COBOL.

Geschätzte 800 Milliarden Zeilen COBOL laufen weltweit im Produktiveinsatz. Ein guter Teil davon in der DACH-Region. Bei Institutionen, die wir täglich nutzen, ohne es zu ahnen.

Man könnte ein ganzes Magazin darüber machen:

→ Interviews mit den letzten COBOL-Entwicklern.

→ Infografik: Wo COBOL überall noch läuft.

→ Essay: Warum COBOL uns alle überlebt.

→ Poster zum Herausnehmen: „COBOL is not dead.” (Bitte über den Schreibtisch hängen. Direkt neben das Kubernetes-Cheat-Sheet.)

Aber hier wird es ernst

Wir feiern jeden Framework-Release wie eine Mondlandung. Aber die Systeme, die Gehälter überweisen, Steuerbescheide berechnen und Krankenversicherungen verwalten - die laufen auf Code, den bald niemand mehr anfassen kann.

Im DACH-Raum gehen die letzten Mainframe-Experten in Pension. Die Hochschulen bilden seit Jahren keinen (oder nicht genug) Nachwuchs aus. Und die großen Migrationsprojekte? Wer in der Branche arbeitet, kennt die Geschichten. Budgets gesprengt, Zeitpläne pulverisiert, am Ende doch wieder der Mainframe. Ausnahmen bestätigen jedoch auch hier die Regel (schönen Gruß an meine geschätzten Kunden).

Mein Punkt

Wer IT-Modernisierung ernst meint, muss auch COBOL ernst nehmen. Nicht als Relikt, sondern als Realität. Nicht ablösen um jeden Preis, sondern verstehen, kapseln, schrittweise weiterentwickeln und gekonnt ablösen.

Nothing is Greenfield. Schon gar nicht bei COBOL.

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