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Der Lock-in
Abhängigkeit · Goldener Käfig · Vendor · Freiheit · Exit-Strategie
Aufrecht
Abhängigkeit erkennen ist der erste Schritt zur Befreiung. Wer die Lock-in-Situation klar analysiert – technisch, vertraglich, organisatorisch und kulturell – kann Exit-Strategien entwickeln und schrittweise Handlungsspielraum zurückgewinnen. Ein Vendor Lock-in Assessment deckt auf, wo die tatsächlichen Abhängigkeiten liegen: proprietäre APIs, Datenformate, Schulungsinvestitionen, gewachsene Customizings. Die Befreiung muss nicht radikal sein: Oft reicht es, Abstraktionsschichten einzuziehen, die die Kopplung an einen spezifischen Vendor reduzieren – Containerisierung, API-Gateways, standardisierte Schnittstellen. Bewusstsein schafft Optionen, und Optionen schaffen Verhandlungsmacht.
Umgekehrt
Total abhängig, kein Ausweg sichtbar. Die Organisation steckt so tief im Lock-in, dass selbst das Erkennen der vollen Tragweite überwältigend wirkt. Proprietäre Datenformate, die nur mit Herstellertools lesbar sind, Verträge mit automatischer Verlängerung und Wechselstrafen, und ein gesamtes Team, das nur noch ein einziges Ökosystem kennt und beherrscht. Jeder Versuch der Befreiung scheint zu aufwendig, zu riskant, zu teuer – und der Vendor weiß das nur zu gut. Die Abhängigkeit ist so total geworden, dass sie nicht mehr als Abhängigkeit wahrgenommen wird, sondern als Normalzustand – der gefährlichste Moment im Lock-in-Zyklus.