VIII
Technical Debt
Altlasten · Kompromisse · Karma · Code-Qualität · Refactoring
Aufrecht
Bewusste technische Schulden sind ein legitimes Werkzeug – solange sie dokumentiert, priorisiert und mit einem Rückzahlungsplan versehen sind. Wer weiß, wo die Kompromisse liegen – veraltete Dependencies, fehlende Tests, Copy-Paste-Code, übersprungene Refactorings – kann sie gezielt und wirtschaftlich abbauen. Ein Tech Debt Inventory macht die Schulden sichtbar und bewertbar, eine Refactoring-Roadmap integriert den Abbau in den regulären Entwicklungszyklus. Die Faustregel erfahrener Teams: 20% jedes Sprints für den systematischen Schuldenabbau reservieren. So bleibt das System wartbar und die Entwicklungsgeschwindigkeit langfristig stabil.
Umgekehrt
Die technischen Schulden sind außer Kontrolle geraten – sie wachsen exponentiell und fressen mittlerweile 40-60% der Entwicklungskapazität. Jede neue Funktion dauert doppelt so lang wie nötig, jeder Bugfix erzeugt zwei neue Fehler, und das Team traut sich nicht mehr, den Code anzufassen. Das System verfällt schleichend: veraltete Frameworks ohne Security-Patches, ein Monolith, den niemand mehr versteht, und eine Testabdeckung nahe Null. Die Entwickler:innen sind frustriert, die besten verlassen das Team, und die Neuen brauchen Monate bis zur Produktivität. Was als pragmatische Abkürzung begann, ist zum teuersten Posten im IT-Budget geworden – unsichtbar auf jeder Bilanz, aber spürbar in jeder Lieferung.